Hildegard Schaefer
Biographie
Hildegard Schaefer wurde 1949 in Lauenburg geboren und lebt seit 1954 in Buchholz / Nordheide
Seit 2003 istsie Mitglied bei den Freien Deutschen Autoren, vorher und jetzt ist sie Teilnehmer in verschiedenen regionalen Schreibgruppen, hält Lesungen, gibt Workshops und ist mit Kurzgeschichten in verschiedenen Anthologien vertreten.
Hildegard ist Mitglied in der AWO-Buchholz
Sie schreibt uns alle 4 Wochen eine neue Geschichte.
(um den fünfzehnten des Monats)
© Hildegard Schaefer 15/02/2026
Endlich gewählt
Katrin stieß einen Schrei des Entzückens aus, als der Kellner sie zu einem kleinen, geschmückten Tisch führte. Teelichter waren zu einem kleinen Herzen geformt, die ihr Mann jetzt anzündete,
“Eduard, womit habe ich diese Überraschung verdient?“ Sie zählte aufgeregt die Rosen, die mittig in einer kristallenen Vase standen. „48 Stück, hat das etwas zu bedeuten? Mir fällt dazu rein gar nichts ein.“
„4 Jahre, für jeden Monat eine, weil du mich vor 48 Monaten zum glücklichsten Menschen der Welt gemacht hast.“ Er ergriff ihre Hand und hauchte einen zarten Kuss darauf.
„Ich versteh nicht warum, ich überlege schon die ganze Zeit seit der Babysitter überraschend vor der Tür stand und mir von deiner Einladung erzählte.“
Er betrachtete sie aufmerksam und nahm einen tiefen Atemzug.
„Erinnerst du dich noch an den Abend vor genau vier Jahren, als wir in diesem Restaurant den Geburtstag von Alex feierten? Sebastian und Georg waren auch dabei und Alex flachste herum, dass du dich doch endlich einmal entscheiden solltest, wen von uns vieren du als Partner in Betracht ziehen würdest. Weiß du es jetzt?“
„Ja“, sie schaute gedankenverloren in das Rot des gefüllten Weinglases, das der Kellner eingeschenkt hatte. “Das war eine schlimme Situation für mich. Ich sollte Farbe bekennen. Sebastian wollte es noch abmildern als er sagte, Frauen mit dem Sternzeichen Waage könnten sich einfach nicht entscheiden, er kenne das. Und dann schauten mich vier Augenpaare gespannt an. Ich weiß noch, dass ich sagte, dass jeder auf seine Art ein prima Mensch sei, doch zusammenleben könnte ich nur mit einem.“
„Ja.“ Eduard strahlte sie an. „Du hast mit diesem Abzählreim dann bestimmt, dass ich derjenige war, damit hatte ich nicht im Mindesten gerechnet. Ich war von uns vieren mit Abstand der Ärmste, der Uninteressanteste, der nicht so gut aussah wie die anderen. Wir dachten doch, du hättest nur Spaß gemacht und meintest es nicht ernst.“ Er atmete tief durch. „Aber mir hat es so viel Mut gemacht, dass ich dir am nächsten Tag einen Antrag gemacht hatte. Und du hast ihn angenommen. Ich könnte einfach nur zufrieden sein. Und doch, Katrin, ist da eine große Frage in mir. Warum ich? Was hatte ich, was die anderen nicht haben? Der schöne, sportliche Alex, der reiche Sebastian mit seinem Jaguar und der Villa mit Swimmingpool, der erfolgreiche Pianist Georg mit seinem Adelstitel und ich, was hatte ich zu bieten? Konntest du vielleicht nach dem Abzählreim nicht mehr zurück? War alles nur Zufall?“
Das bestellte Essen kam und sie aßen schweigend. Katrin lächelte in sich hinein. Da glaubte sie, ihren Mann zu kennen und hatte doch keine Ahnung davon, worüber er sich Sorgen machte.
Nach dem Dessert ergriff sie seine beiden Hände und sagte einfach: „Kein Zufall, alles Kalkül. Die Sache mit dem Abzählreim kenne ich noch aus meiner Kindheit. Dass du es bist, mit dem ich zusammenleben wollte, wusste ich seit der Hinfahrt zum Konzert des Philharmonie-orchesters von, na du weißt schon“
„Aber da war ich doch gar nicht dabei“, stieß er überrascht hervor.
„Eben drum, du hattest Wichtigeres zu tun. Als Sebastian mit seinem Jaguar die schwarze Katze überfuhr, warst du derjenige, der sofort ausstieg. Sebastian wollte noch mal darüberfahren, Georg wollte sie auch irgendwie von ihrem Leiden erlösen und Alex verdrängte alles und wollte, dass wir einfach nur weiterfahren Alle hatten sie nur das Konzert im Kopf und dass die Zeit eilte und die Karten teuer waren. Auch ich war wie gelähmt. Doch wie du sie aufgenommen hast, so vorsichtig, um ihr nicht noch mehr weh zu tun. Ihr Blut verschmutzte dein Smoking Hemd, es war dir egal. Du hast ein Taxi gerufen und sie zum Tierarzt gebracht. Und wir sind dann einfach weitergefahren.
Später, als du sie nach ein paar Tagen zu ihrer Familie brachtest, war ich dabei. Wie glücklich war der Junge, dass sie überhaupt noch lebte und er weinte und küsste sie andauernd. Wie du dann merktest, dass die Leute die Operation kaum hätten bezahlen können, bist du stillschweigend drüber weg gegangen und hast ihnen noch so viel Katzenfutter mehr gebracht als du gekauft hattest, während du sie zu Hause pflegtest. Es war auch nicht leicht, ihre Besitzer ausfindig zu machen. Und so wie du dich in dieser Angelegenheit verhalten hast, so muss ein Mann sein, den ich zum Partner haben möchte. Sich verantwortlich fühlen für das Wohlergehen von Verletzten, hilfsbereit sein, zärtlich und liebevoll im Umgang mit Lebewesen und zu guter Letzt noch großzügig. Die anderen drei waren damit raus aus dem Rennen um meine Gunst. Allerdings hätte ich gerne noch weiter so gemacht, doch ihr wolltet ja, dass ich wähle. Ich fühlte mich sehr wohl dabei, so umschwärmt zu werden.“
Sie sah ihrem Mann an, dass ihm ein großer Stein von der Brust gefallen war. Seine Stimme klang beschwingt. „Es ehrt mich wirklich, dass du von uns vieren ausgerechnet mich erwählt hast.“
Für einen kleinen Moment war Katrin unsicher. Hatte er da eben was „von uns vieren“ gesagt? Sie würde ihn in dem Glauben lassen. Warum sollte sie ihm erzählen von Leopold, dem Wissenschaftler, Karl, dem tüchtigen Handwerker, Manfred, Hubert und, und … Ihre innere Aufzählung wurde durch den innigen Kuss ihres Mannes beendet.
